Fahnen

Die Frage, warum ein Trachtenverein eine Fahne braucht und wofür sie bei allen wichtigen Anlässen mitgetragen wird, darf hier sicher unbeantwortet bleiben. Fest steht, dass die Vereinsfahnen unseren Mitgliedern viel bedeuten und sicher immer auch ein äußeres Zeichen für den Zusammenhalt im Verein waren. Die Geschichte unserer Fahnen verdeutlicht aber auch  in vieler Hinsicht auch unsere Vereinsgeschichte.

Betrachtet man die Fahnen einmal genauer, was im Allgemeinen nur selten möglich ist. So fallen bei allen drei Entwürfen zwei Dinge besonders auf. Auf der einen Seite finden wir einen Blumenkranz, in dem 1908 nur der Name des Vereins steht. Ruhpolding kommt dabei nur abgekürzt vor. 1953 und 1978 rückt das Ruhpoldinger Gemeindewappen in die Mitte und der Vereinsname findet außen herum seinen Platz. Auf der anderen Fahnenseite befindet sich jeweils ein Motiv von St. Valentin.

Fahne 1908 rechtsFahne 1908 links                         Fahne 1953 rechtsFahne 1953 links                   Fahne 1978 rechtsFahne 1978 links

Fahne 1908                                                                                             Fahne 1953                                                                                    Fahne 1978

 

Zell ist sicher der siedlungsgeschichtlich älteste Ortsteil unserer Gemeinde. Der Name Zell geht vermutlich auf eine Mönchszelle zurück, die von Inzell aus gegründet worden sein mag.  St. Valentin ist um vieles älter als alle anderen Kirchenbauten in unserem Tal, stammt das Langhaus doch noch aus der romanischen Epoche. Ob der „Voita“ – wie diese Kirche im Volksmund genannt wird – auch die erste Kirche Ruhpoldings war, vermag man heute nicht mehr zu sagen. Die jahrhundertelange Wallfahrt zur Kirche des heiligen Valentin und der danebenstehenden Leonhardikapelle sowie das immer wieder aufkommende Streben nach kirchlicher Selbständigkeit zeigen jedoch,  welche Bedeutung dieser Kirche im Laufe der Geschichte zugekommen ist. Die Verbundenheit der Ortsbevölkerung spürt man heute vor allem beim Patrozinium und beim Georgiritt, der besonders festlich begangen wird.

Der Name unseres Hausberges leitet sich davon ab, dass es dort Erzvorkommen gab, unter anderem auch das Gemisch aus Blei und Galmei, das man Rausch nennt.

Eine Besonderheit unserer Fahnen ist der jeweilige Fahnenspitz – ein Kranz, der sich um ein Edelweiß rankt. Da diese Form bei den Modellen von 1908 und 1953 verwendet worden war, wollte man sie natürlich auch 1978 haben. So etwas Ausgefallenes war nur leider schwer zu kriegen und noch dazu sehr teuer. Franz Speckbacher wusste eine Gießerei, die in der Lage war, diese für uns traditionelle Form herzustellen. Aber natürlich kostete das wesentlich mehr Geld und die Kasse war im Vorfeld des Festes lehr. Unser Kassier Georg Kastner wusste sich aber wie schon manch anderes Mal zu helfen. Nach einer Beerdigung saß er mit dem damaligen Vorstand Sepp Lanzinger beim Leichentrunk im Gasthof „Alte Post“. Dabei sagte er nur „Mia müssen heit no an Stammtisch!“ Das taten sie dann später auch und dabei jammerte der Schorsch so lange bis es dem Bäcker Hias zu viel wurde und dieser fragte: „Was hast denn Damisch?“ Der Schorsch darauf: „Unser Fahnaspitz is boid teiriger wia ois andene!“ Daraufhin zog der Zellerbäck sein Scheckheft und wollte ihm den entsprechenden Scheck ausstellen. Das nun ließ unser Kassier nicht zu, weil er sich nicht nachsagen lassen wollte, diese Angelegenheit am Biertisch erledigt zu haben. Der großzügige Gönner wurde nochmals offiziell auf seinem Anwesen aufgesucht und die Finanzierung war gesichert. Auch die inzwischen wieder notwendig gewordene Renovierung  hat Matthias Huber dankenswerter Weise übernommen.