Das Rauschbergkreuz

Unser Verein ist nach dem Hausberg des Ruhpoldinger Tales benannt und sein Gipfelkreuz hat immer eine wichtige Rolle im Vereinsleben gespielt. Im Jahre 1907 ist erstmals ein ganz einfaches Kreuz errichtet worden. Dies geschah sozusagen als Privatinitiative. Am 10.06.1934 wurde dann erstmals von den „Zellerern“ ein Kreuz aufgestellt und mit kirchlichem Segen eingeweiht. Trotz der beginnenden nationalsozialistischen Herrschaft sind damals 500 Gläubige zu Fuß auf den Rauschberg gestiegen.

Dieses zweite Kreuz ist dann im Winter 1945/46 von einem Sturm umgerissen worden und es war klar, dass wieder ein neues Gipfelkreuz aufgestellt werden sollte. Bei der Generalversammlung am 26.12.1945 wurden die Brüderpaare Sepp und Isi Gruttauer (Häusler) sowie Schorsch und Hans Sojer (Auer) beauftragt die vergoldeten Halbkugeln, die das Kreuz an den drei Enden zierten herunterzuholen. Keine leichte Aufgabe mitten im Winter. Sie sind am nächsten Tag „aufeg’wachet“, den Abstieg erleichterten sie sich dadurch, dass sie sich auf die Kugeln setzten und die Rossgasse hinuntergerutscht sind – sicher eine sportliche Meisterleistung. Bartholomäus Schmucker jun. erneuerte die Vergoldung, was „in der schlechten Zeit“ nur möglich war, weil mehrere Bauern aus den Reihen unserer Mitglieder Butter spendeten. Die Zellerbäuerin stiftete sogar 50 Pfund, damit man das Material zum Vergolden eintauschen konnte, das der Weinseis Bascht brauchte.

Im Frühjahr suchte man am Rauschberg eine geeignete Lärche und wurde neben dem Ebensteig nahe des Hutzenauerkasers am Südhang fündig. Der Baum sollte wegen des mühseligen Transportes nicht zu weit vom Gipfel entfernt sein. Das Umschneiden erwies sich auch wesentlich schwieriger als erwartet. Die Wiegensäge kam immer wieder ins Stocken, da die Lärche so viel Pech absonderte („sie bächete“) – mangels Wasser mussten sich die beteiligten jungen Männer im wahrsten Sinne des Wortes „notdürftig“behelfen. Die Kreuzbalken wurden dann noch an Ort und Stelle gehackt und zum Gipfel transportiert (der Langbalken mit dem Muli, der Querbalken auf den Schultern getragen).

Bild aus dem Jahre 1946

Die Kreuzaufsteller von 1946 (die Balken des neuen Kreuzes liegen auf dem Querbalken von 1934) von links nach rechts Anton Plenk (Steiner – er wollte unbedingt mittun weil er so froh war, gesund aus dem Krieg zurückgekehrt zu sein), Robert Gschwendtner, Georg Steyerer, Gust Ringsgwandl (Aschenau), Paul Staller (Eggl), Michi Rappl (Rauchenbichl), Hans Geierstanger

Oben angekommen ergaben sich neue Schwierigkeiten, da der Sand, den der Rappl Michei (Rauchenbichl) neben dem Zement und einer Eisenschiene schon einige Tage vorher mit seinem Muli hinauftransportiert hatte, den Abhang hinuntergeschüttet worden war – die leeren Säcke lagen noch da. So mussten einige noch mal zur Goaßwand hinuntersteigen, neuen Sand zusammenkratzen und zum Gipfel hinauftragen. Allen Schwierigkeiten und der Sabotage zum Trotz konnte das Kreuz dann aber doch aufgestellt werden. Einige der alten Vereinsmitglieder beobachteten von unten wie sich das Kreuz bewegte und befürchteten schon, dass es den Jüngeren umgefallen sei. Am 29.06.1946 wurde das neue Kreuz unter großer Beteiligung der Bevölkerung Ruhpoldings eingeweiht. Obwohl man damals noch nicht mit der Rauschbergbahn fahren konnte sind etwa 1000 Ruhpoldinger mit dem damaligen Kooperator Anton Brandmüller hinaufgestiegen, um die Weihehandlung zu vollziehen. Es wurde aber auch ein fröhliches Fest und auf einer kurzerhand erstellten Bühne wurde getanzt und geplattelt. Alle waren noch froh über das Ende des Krieges und man gelobte immer am Fest Peter und Paul zum Gedenken an die gefallenen Vereinsmitglieder die Rauschbergmesse abzuhalten.

Bartholomäus Schmucker sen. hat dazu folgende Verse geschrieben:

Das Kreuz auf dem Rauschberg soll künden,

dass die Heimat der Helden gedenkt,

die ferne in fremden Ländern

ohne Kreuz in die Erde gesenkt

und die im Meere versanken

an Kretas felsigem Strand

und die in Afrika liegen

im heißen Wüstensand

und die in Russlands Weiten

erstarrt in Schnee und Eis

und die in Deutschland starben

ihr Grab kein Mensch mehr weiß.

Und niemand kann uns sagen,

wo ruhet ihr Gebein.

Das Kreuz auf dem Rauschberg soll allen

im Geiste ihr Denkmal sein.

Dieses Kreuz sollte 42 Jahre auf unser Tal herunterschauen – anlässlich der Bergmesse 1987 wurde aber festgestellt, dass das Holz, das dort oben allen Extremen der Witterung ausgesetzt ist, nicht nur „og’wedat“ sondern stark beschädigt war. Was lag näher, als für die Bergmesse im darauffolgenden Jahr ein neues Kreuz zu errichten. Georg Plenk (Kress) wurde die Organisation übertragen und er fällte am Thomastag eine 35 m hohe Lärche im richtigen Mondzeichen. Die „ Zimmermoastosag“ von Otto Plenk wurde letztmalig in Betrieb genommen und so konnten die Kreuzbalken durch Hans Stief und Sepp Gruttauer, der schon 1946 dabei war, fachgerecht geschnitten werden. Beim Zusammenbauen wurde der Sepp dann vom Geierstanger Siegfried sen. unterstützt, dessen Neffe Hubert die Inschrift „Ihr Berge und Höhen preiset den Herrn“ auf dem Querbalken schnitzte. Max Streibl stiftete eine Gedenktafel, auf der vermerkt ist, dass das Kreuz den Gefallenen der beiden Weltkriege gewidmet ist. Sigi Geierstanger jun vergoldete die Kreuzkugeln. Das alte Kreuz wurde abgebaut und am 17.06.1988 erfolgte die Aufstellung des neuen Kreuzes. Zuvor hatte es der Organisator mit dem Bulldog bis zur Skiabfahrt transportiert, dann kam Valentin Pointner mit zwei Pferden zum Einsatz – das eine von Josef Thullner (Plenker), das andere von Josef Zeller (Großgstatter). Zuletzt wurde das neue Kreuz auf den Schultern vieler Vereinsmitglieder auf den Gipfel getragen. Die Fotos zeigen eindrucksvoll wie viele Helfer begeistert mitgemacht haben.

Bild 1988

Sepp Gruttauer (Häusler)gibt das Kommando zum Aufstellen

Bild 1988

Im vorderen Bereich v.l.n.r. Sigi Geierstanger, Valentin Hinterreiter, Valentin Pointner, Georg Plenk, ?, Franz Elixhauser, Roman Lanzinger, Isidor Gruttauer, Pongratz Haßlberger, Josef Pointner, Josef Krammer, Hans Haßlberger, Sepp Lanzinger, Hans Pichler
Im hinteren Bereich v.l.n.r. Markus Semmelmayr, Sepp Reiter, Sepp Thullner, Erhard Hiebl, Franz Geierstanger sen., Hans Stief, Herbert Kecht, Sepp Gruttauer jun., Georg Fellner, Andreas Lugert, Gerhart Pointner, Max Streibl, Axel Hörterer, Hans Sojer, Sepp Schweiger, Benedikt Schausbreitner, Georg Schweiger, Max Gutsmüthl, Sepp Gruttauer sen., Franz Speckbacher

 

Die Aktiven brannten am Vorabend der Rauschbergmesse wie schon 1934 und 1946 ein großes Bergfeuer ab und hielten Wache.
Zur Einweihung des neuen Gipfelkreuzes am 19.06.1988, die Pfarrer Josef Mühlbacher vornahm, kamen wieder etwa 1000 Gläubige – diesmal waren aber viele Bahnfahrer dabei.

Bild 1988

Nach der Weihe